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02.12.2017 8:30 - 12:00

Philosophie am SSG

 

„Philosophie ist der methodische und beharrliche Versuch, Vernunft in die Welt zu bringen.“ –

(Max Horkheimer)

Das Fach Philosophie, bereits dem Namen nach der Liebe zur Weisheit verschrieben, ist wohl eines der vielfältigsten Fächer, denen ein Schüler oder eine Schülerin am Sophie-Scholl-Gymnasium (kurz: SSG) begegnen kann. Wo sonst werden die Grundlagen der Wissenschaften untersucht? Wo sonst wird der Mensch an sich untersucht und versucht, ihn als Besonderheit in der Welt zu charakterisieren… oder ist er eigentlich gar nichts Besonderes und nur ein „zweifüßiges, federloses Lebewesen“, wie Platon einst vorschlug? Wo, wenn nicht in der Philosophie, wird die Fähigkeit der Erkenntnis auf den Prüfstand gestellt und rigoros an allem gezweifelt, was der Mensch meint zu wissen? Und was bedeuten die verschiedenen Antworten auf diese Fragen für uns in der heutigen Zeit? Dabei orientiert sich die Philosophie an den großen Fragen Immanuel Kants: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“

Wer Spaß an solchen vieldimensionalen Überlegungen hat und gerne dem Wesen der Dinge auf den Grund geht, ist im Philosophieunterricht gut aufgehoben! Wie Horkheimer sagt, geht es hier darum, auf methodische und philosophische Weise die Wirklichkeit der Welt besser zu verstehen, sei es, die Grenzen und Möglichkeiten der menschlichen Erkenntnis zu bedenken (und zu erfahren), oder eine Einsicht in die normativen und die moralischen Grundlagen des menschlichen Handelns zu erhalten. Dabei bietet das Fach mehr als nur einen Raum des „Staunens“ (nach Platon und Aristoteles der Ursprung der Philosophie) und des „radikalen Fragens“ (Weischedel), sondern ist zudem ein Ort, der über das bloße Fragen und Wissen-Wollen hinausgeht, um mögliche Antworten zu finden, die ein Leben in der „Mündigkeit in sozialer Verantwortung“ erst möglich machen.

Doch was muss man neben dem Spaß an diesen großen Fragen zum Philosophieunterricht mitbringen? Jostein Gaarder schreibt in „Sophies Welt“: „DIE FÄHIGKEIT SICH ZU WUNDERN, IST DAS EINZIGE, WAS WIR BRAUCHEN, UM GUTE PHILOSOPHEN ZU WERDEN“ (S.23, Carl Hanser Verlag München, 1993). Diese Dinge sind allerdings nur der Anfang. Unumgänglich im Philosophieunterricht sind die sachgerechte Bearbeitung und Verarbeitung von komplexer werdenden philosophischen Texten, welche als grundlegende, aber nicht ausschließliche Medien genutzt werden. Angst vor Texten sollte man somit besser nicht haben. Genauso werden im (philosophischen) Gespräch im Unterricht, bei Diskussionen und Gruppenarbeiten die sozialen und kommunikativen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler gefordert und gefördert. Doch der Philosophieunterricht besteht nicht nur aus Textarbeit. Anhand von Bildern, Liedern, Filmen oder Gedankenexperimenten werden Zugänge zu klassischen und modernen Fragen gesucht und (hoffentlich) gefunden, um sich anschließend gemeinsam auf unterschiedlichen Wegen (mehr oder weniger komplexe Textarbeit, grafische, künstlerische, thetralische Lösungsansätze, …) den Antworten zu nähern.

Die Inhalte des Philosophieunterrichts orientieren sich dabei sowohl methodisch, als auch inhaltlich an den Kernlehrplänen für das Fach Philosophie und werden jährlich auf die sich verändernden Anforderungen für die Abiturprüfungen abgestimmt (siehe auch: Abituranforderungen der nächsten Jahre in NRW).

Konkret führt dies am SSG zu den folgenden Unterrichtsvorhaben in der Einführungsphase und in den Qualifikationsphasen:

 

Einführungsphase

Thema
1

Was heißt es zu philosophieren? – Welterklärungen in Mythos, Wissenschaft und Philosophie

 

2

Ist der Mensch ein besonderes Lebewesen? – Sprachliche, kognitive und reflexive Fähigkeiten von Mensch und Tier im Vergleich

 

3

Warum überhaupt moralisch sein? – Kulturrelativismus und ethischer Universalismus, Teleologische und deontologische Ethik

 

4

Wozu brauchen wir eigentlich einen Staat? – Staat, Recht und Gerechtigkeit in der Diskussion

 

5

Was können wir mit Gewissheit erkennen? – Grundlagen und Grenzen menschlicher Erkenntnis

 

6

Kann der Glaube an die Existenz Gottes vernünftig begründet werden? – Religiöse Vorstellungen und ihre Kritik

 

Qualifikationsphase 1

Thema
1

Ist die Kultur die Natur des Menschen? – Ihre Bedeutung für seine evolutionäre Entwicklung

 

2

Ist der Mensch ein freies Wesen? – Die Frage nach der Willensfreiheit (Determinismus, Indeterminismus, Existenzialismus)

 

3

Wie kann das Leben gelingen? – Grundsätze eines guten Lebens (Eudämonismus)

 

4

Soll ich mich im Handeln am Kriterium der Nützlichkeit oder der Pflicht orientieren? – Utilitaristische und deontologische Positionen im Vergleich

 

5

Welche Ordnung der Gemeinschaft ist gerecht? – Der Staat als philosophisches Problem

 

6

Wie lässt sich eine staatliche Ordnung von der Konzeption eines Naturzustands aus rechtfertigen? – Gesellschaftsvertragstheorien im Vergleich

 

7

Lassen sich die Ansprüche des Einzelnen auf politische Mitwirkung und gerechte Teilhabe in einer staatlichen Ordnung realisieren? – Moderne Konzepte von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit auf dem Prüfstand

 

Qualifikationsphase 2

Thema
1

Was leisten sinnliche Wahrnehmung und Verstandestätigkeit für die (wissenschaftliche) Erkenntnis? – Rationalistische und empiristische Modelle im Vergleich

 

2

Wie gelangen die Wissenschaften zu Erkenntnissen? – Anspruch und Verfahrensweisen der neuzeitlichen Naturwissenschaften

 

3

Ist erlaubt, was möglich ist? – Verantwortung in der technischen Zivilisation

 

4

Ist der Mensch mehr als Materie? – Das Leib-Seele-Problem (Dualismus, Monismus, Materialismus)

 

Dabei ist es für Schülerinnen und Schülern möglich, das Fach Philosophie als schriftliches oder mündliches Abiturfach zu wählen. Darüber hinaus bietet die Fachgruppe – wenn personell möglich – für die Stufen Q1/2 bis Q2/1 bzw. ab dem Schuljahr 2016/17 in der Q1 einen zwei Halbjahre umfassenden zweistündigen Projektkurs an, in dem die Schülerinnen und Schüler in besonderer Weise auf wissenschaftsorientiertes Lernen vorbereitet werden sollen.

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